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Seilreinigung

Nadelbäume bieten in vielerlei Hinsicht beim Klettern besondere Herausforderungen. Allein der sichere Seileinbau ist schon eine Aufgabe für sich. Meist sind sie schwieriger und gefährlicher zu klettern, da waagrechte oder hängende Äste gleichzeitig auch eine höhere Vorsicht bei der Einschätzung des Ast- oder Wipfelbruchs voraussetzen. Gerade für dicht bewachsene Exemplare ist der Vorstieg im Baum grösstenteils unabdingbar.
Trotz der Möglichkeiten Geocaches in grosser Höhe zu platzieren, bringen fast alle Nadelbäume einen entscheidenden Nachteil mit sich: je nach Baumart bleibt mehr oder weniger viel Baumharz im Material zurück.

Besonders auffallend ist der starke Harztrieb bei Fichte und Kiefer. Aber auch die europäische Lärche, die Douglasie und der Mammutbaum produzieren Harz (wenn auch etwas weniger) in Harzkanälen. Die Tanne stellt eine Ausnahme dar. Sie hat keine Harzkanäle im Holz, junge Tannen bilden jedoch Harzblasen in der Rinde aus. 

Seile, Kurzseile, Kurzsicherungen, Bandschlingen, Abseilgeräte, Handschuhe oder Hände – überall klebt Harz!

Wie aber bekommt man das Harz wieder aus dem Material, ohne dessen Sicherheit zu gefährden?

Die Firma Teufelberger hat hierzu Tests durchgeführt und Baumharz auf die Seilproben aufgebracht. Danach wurden diese auf Ihre Restbruchfestigkeit getestet. In einem zweiten Versuch wurden darüber hinaus verschiedene Reinigungsmethoden getestet. Es wurde jeweils eine Probe mit den folgenden Optionen behandelt und dann auf ihre Restbruchfestigkeit getestet:

  • Waschen bei 30 °C mit speziellem Seilwaschmittel
  • Waschen mit Olivenöl extra vergine
  • Waschen mit Reinigungsbenzin (Petrolether)
  • Waschen mit Ethylalkohol
  • Waschen mit Aceton

Folgendes Seil wurde getestet:

  • Braided Safety Blue 12.7mm (Polyamid Kern / Polyester Mantel

Zusammenfassung & Empfehlung

  • Allein normaler Schmutz beschädigt das Seil erheblich, die Bruchfestigkeit wird um ca. 40% verringert
  • Unbeseitigtes Harz beschädigt das Seil bis zu einem gewissen Grad; macht jedoch einen brauchbaren Einsatz im Alltag fast unmöglich.
  • Vermeide eine Berührung mit Schmutz oder Baumharz so weit wie möglich; allenfalls unter Verwendung von Kambiumschonern.
  • Die schonendste und effektivste Reinigung Deines Materials erreichst Du mit Ethylalkohol (bspw. Haushaltsspiritus). Es wird die Hauptreinigung mithilfe einer Seilbürste durch ein Spiritusbad und eine anschliessende schonende Wäsche mit speziellem Seilwaschmittel empfohlen. (max. 30 °C, nicht schleudern, schonend im Schatten trocknen)
  • Eine oft verbreitete Reinigungsmethode mit Butter sollte höchstens für Jute-Seile und im Bondage-Bereich zum Einsatz kommen. 😉

Achtung

  • Schäden sind von aussen nicht immer sichtbar!
  • Waschen kann das Seil nicht heilen, wenn Schmutz einmal in den Kern gelangt ist.
  • Wenn das Seil sichtbare Schäden aufweist oder die Eigenschaften des Seils durch nicht entfernbaren Schmutz beeinflusst werden, ist das Seil sofort aus dem Verkehr zu ziehen!

Erfahrung:
Für eine Reinigung eines 100 Meter-Seils mit Seilbürste werden gewöhnlich etwa 4 Liter Spiritus benötigt.

Andererseits ist Harz das Immunsystem des Baumes. Kranke Bäume bilden oft weniger bis gar kein Harz mehr, weshalb gerade sie von zahlreichen Insekten heimgesucht werden.
Die Erkenntnis, dass man sich auf einem harzigen Baum, also auf einem meist gesunden Baum befindet, dürfte den Unmut über die aufwändige Seilreinigung jedoch kaum eliminieren.

Quellennachweise:
Baumpflegeportal
Teufelberger

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